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Skitour Hardangervidda 2015

Hilfreiche Links:

Breie Hytter og Camping

Fahrplan Bergenbahn

Finsecam

Fjellkarte Hardangervidda mit Winterwegen

Wetter

Mitwoch, 25.2.2015

Ein bisschen aufgeregt waren wir beide, nachdem wir unser Wohnmobil am Strom angeschlossen bei Breie Hytter og Camping abgestellt hatten und unsere Pulkas die 2 km zum Bahnhof in Geilo gezogen haben. Der Zug in Richtung Bergen fuhr um 11:57 Uhr ab.

 

Tipp: Für die Pulkas muss man ein Gepäckticket kaufen. Sie werden zusammen mit den Skiern in ein extra Gepäckabteil verladen.

Bahnhof Geilo

Bahnfahren ist im Gegensatz zu Deutschland in Norwegen ein richtiges Vergnügen. Auch an kleinen Bahnhöfen gibt es, trotz der hohen Löhne, einen Englisch sprechenden Fahrkartenverkäufer und keinen Automaten. Die Warteräume haben ein ansprechendes Ambiente und sind genauso wie die Sanitäreinrichtungen und Bahnwaggons blitzsauber. Mit der Fahrkarte bekommt man automatisch eine Platzkarte und die Anzahl an Waggons wird dem Bedarf angepasst, so dass niemand im Gang herumsteht. Jeder Waggon hat am Einstieg große Gepäckfächer und auch die Ablagen über den Sitzen sind hoch genug, um Reisetaschen und Koffer darauf abzulegen. Wir haben die Bahnfahrt genossen.

Ankunft in Finse

Gut eine halbe Stunde später sind wir in Finse, dem höchstgelegenen Bahnhof Nordeuropas, auf 1222 m angekommen.

Schild Explorers Club

Start in Finse

Das Wetter war gut und nachdem wir jeder einen Müsliriegel mit Apfelschorle zu uns genommen hatten, sind wir sofort gestartet.

 

Eigentlich wollten wir der schon gesteckten Reisigroute (Kviste) in Richtung Kjeldebu folgen, doch ein Abstecher zum Hardanger Jøkulen schien uns verlockend.

 

Das Ziehen der Pulkas ging prima und wir hatten das Gefühl, gut für die Wintertour ausgerüstet zu sein.

Gletscher

Vom Gletscher konnten wir nicht viel sehen, da das Eis mit Schnee bedeckt war. An der Appelsinhytta sind wir dann wieder in Richtung der geplanten Route abgebogen. Uwe mit seiner Pulka wirkte ganz schön klein im Angesicht der steilen Felswände.

Hütte am Gletscher

Uwe vor Felswand

Zelt bei Ankunft

Als es auf 17:00 Uhr zuging, haben wir uns nach einem geeigneten Zeltplatz umgeschaut und sind hinter einem Felsblock fündig geworden.

 

Der Wind war nicht besonders stark, dennoch haben wir eine ca. 50 cm tiefe Grube gegraben, um das Zelt darin aufzustellen. Der Schnee war zu locker, um zusätzlich noch eine Schneemauer zu errichten. Die Skier und unsere neu erworbenen ca. 30 cm langen Schneeheringe, zusammen mit ein paar Steinen, haben gute Dienste geleistet, um das Zelt zu befestigen.

Zelt im Schneesturm

Donnerstag, 26.2.2015

Gestern Abend war es noch wunderbar windstill, doch in der Nacht fing es an zu stürmen. Heute Morgen waren die beiden Apsiden mit Schnee vollgeweht. Der war jedoch schön kompakt, so dass wir das Zelt damit nach und nach von unten abdichten konnten. Die Belüftung erfolgt beim Hilleberg Staika glücklicherweise von oben.

Apsis nach der ersten Nacht

Daran, das Zelt abzubauen und weiterzugehen, war den ganzen Tag nicht zu denken. Immer wieder kamen Sturmböen herangezogen und zeitweise hat es geschneit.

 

Wir haben es uns im Zelt gemütlich gemacht und versucht, so viel wie möglich zu futtern und zu trinken, um den Kalorienverbrauch von gestern wieder auszugleichen. Traurig waren wir darüber, dass der Beutel mit der Schokolade draußen in der Pulka lag, doch keiner von uns wollte ihn holen.

Im Zelt war es durch unsere Körperwärme und durch den Kocher erstaunlich "warm". Dank der Kombination aus zwei Isomatten mit dem Kunstfaserschlafsack Carinthia Explorer Top und einem Daunenschlafsack haben wir nachts auch bei ca. -10°C nicht gefroren. Wir hatten das Zelt so aufgebaut, dass unsere Pulkas vom Wind immer wieder freigeweht wurden.

Freitag, 27.2.2015

Heute Morgen waren unsere Pulkas dann doch fast unter dem Schnee der letzten Nacht verschwunden und hinter dem Zelt hatten wir eine dicke Schneewehe, aber wir hatten den Sturm ohne Schwierigkeiten überstanden. Die Sonne schien und wir konnten bei leichtem Wind unser Zelt abbauen.

 

Leider ging es mir (Bianka) nicht so gut. Entweder hatte ich zu wenig gegessen oder ich war dehydriert, auf jeden Fall habe ich mich zu schwach gefühlt, um die geplante lange Strecke weiter zu gehen.

Zelt nach dem Schneesturm

Wir haben beschlossen, in Richtung Finse umzukehren und zu schauen, ob der Abzweig nach Krækkja schon mit Reisig markiert ist. Die Strecke über Krækkja und Tuva hatten wir nicht ins GPS einprogrammiert, doch sie wäre eine Alternative und etwas kürzer gewesen.

Rückweg nach Finse

Unterwegs kamen wir wegen mir nur langsam voran. Ich hatte ständig eine trockenen Mund, musste viel trinken und konnte nicht so schnell gehen wie am Anfang, so dass wir es für besser hielten, nach Finse zurückzukehren. Die Route nach Krækkja war nicht markiert und ab morgen sollte die Sicht wieder schlechter werden, so dass die Orientierung mit Karte und Kompass schwierig geworden wäre. Später haben wir auf einer Fjellkarte gesehen, dass der Winterweg nach Krækkja erst später von der Route nach Kjeldebu abzweigt.

Schneefiguren in Finse

In Finse hatten wir noch etwas Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges, um uns in der Gegend umzuschauen. Die Badewanne war leider nicht mit warmem Wasser gefüllt, sonst wären wir glatt reingesprungen.

Zur Entspannung nach der Skitour

Skilift

verschneites Haus

Der typisch französische Stangellift hat uns nicht so interessiert, doch die tief verschneiten Häuser gaben ein bizarres Bild ab. Um 14:37 Uhr ging es dann mit dem Zug wieder zurück nach Geilo. Auf eine Art waren wir traurig, die Tour abzubrechen, andersherum waren wir auch froh, wieder im Wohnmobil zu sein, als wir im Wetterbericht die Sturmwarnung für Samstag und Sonntag gesehen haben.

Route

Letztendlich sind wir nur 16,8 km unterwegs gewesen, doch die Landschaft auf der Hardangervidda ist traumhaft schön. Auf der kurzen Winterskitour haben wir auch einiges gelernt, was wir gern weitergeben möchten:

  • man kommt mit Pulka und Tourenski nur ca. 3-4 km/h voran und es dauert ca. 3-4 Stunden pro Tag, das Zelt auf- und abzubauen, die Pulka zu be- und entladen und Schnee zum Kochen zu schmelzen, das sollte man bei der Tourplanung berücksichtigen, Tagesetappen von 15 bis max. 20 km sind je nach Höhenunterschied ok.
  • die Kalorienzufuhr muss in der Kälte gegenüber dem normalen Leben deutlich erhöht werden; wir frühstücken Zwieback, Müsli oder Eierkuchen und kochen abends Trekkingmahlzeiten oder essen Knäckebrot mit Käse und Schinken; tagsüber stopfen wir Müsliriegel, Schokolade, Nüsse und Trockenobst in uns hinein
  • in der trockenen Luft verliert der Körper viel Flüssigkeit, man muss trinken, trinken und nochmals trinken; für jeden nur eine Literflasche mit Tee während der Tagestour war für uns zu wenig; Schnee enthält kaum Mineralien, dem Schmelzwasser würden wir bei der nächsten Tour hin und wieder Brausetabletten zusetzen
  • auch wenn es beim Zeltaufbau windstill ist, kann später Sturm aufkommen; es ist immer gut das Zelt etwas einzugraben, gründlich zu sichern und wenn möglich, eine Schneemauer in Windrichtung zu errichten
  • Schneeheringe halten im lockeren Schnee nicht von allein, sind aber hilfreich, wenn man die Befestigungspunkte vorher festtreten kann oder die Heringe mit Steinen beschwert
  • die Schaufeln sollte man nicht zur Befestigung des Zeltes benutzen und auch nicht in der Pulka zurücklassen (so wie wir), sondern immer griffbereit in der Apsis haben
  • der große Kunstfaserexpeditionsschlafsack von Carinthia in Kombination mit einem Daunenschlafsack ermöglicht auch in geschlossenem Zustand viel Bewegungsfreiheit, hält schön warm und bildet eine Kältebrücke, so dass die Feuchtigkeit nur außen am Kunstfaserschlafsack gefriert und die Daune nicht nass wird, einen VBL-Sack benutzen wir nicht
  • um die Isolierschicht der Skischuhe vor Feuchtigkeit zu schützen, haben wir Plastiktüten über die Socken gezogen, wie wir es kurz zuvor in einem Expeditionsfilm gesehen hatten, das hat sich sehr gut bewährt, man braucht dann allerdings für jeden Tag frische trockene Socken
  • gelesen hatten wir von einer "Pinkelflasche", wenn man bei Schneesturm das Zelt nicht verlassen möchte, ganz gut funktioniert dafür eine abschnittene Plastikflasche

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